Multiple Sklerose (MS) und moderne Therapien

Multiple Sklerose (MS) ist bis bislang nicht heilbar. Moderne Therapien können allerdings den Verlauf der chronisch entzündlichen Erkrankung positiv beeinflussen. Auch Impfungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. MS ist die häufigste neurologische Krankheit im jungen Erwachsenenalter. Weltweit sind etwa 2,3 Millionen Menschen von dieser Krankheit mit einem hohen Risiko für zunehmende Behinderungen betroffen. Dieses Jahr wurden mit dem ursprünglich in der Krebstherapie eingesetzten Wirkstoff Cladribin und dem monoklonalen Antikörper Ocrelizumab zwei innovative Medikamente in der EU zugelassen, und damit erstmals ein Medikament gegen primär chronisch progrediente MS, einer Verlaufsform mit von Anfang an kontinuierlich zunehmenden Symptomen. Auf Initiative der internationalen Fachgesellschaften EAN und ECTRIMS erarbeiteten Neurologen aus 13 Ländern Empfehlungen für die MS-Behandlung in Europa. Die neue Behandlungsleitlinie unterstützt Ärzte dabei, bei ihren Therapieentscheidungen Chancen und Risiken der zur Verfügung stehender Behandlungsoptionen abzuwägen. Cladribin und Ocrelizumab:Neue Optionen erweitern die MS-Behandlung

Zuletzt wurden in der EU zwei neue Medikamente und Behandlungsformen zugelassen, die eine weitere Optimierungen bringen sollen. Cladribin wurde ursprünglich in der Krebsmedizin eingesetzt. Seine Wirkungsweise in Bezug auf das Immunsystem macht es über die langfristige Wirkung auf die Lymphozyten hinaus interessant und einsetzbar. Damit behandelte Patienten nehmen 14 Tage Cladribin-Tabletten ein, darauf folgt eine einjährige Behandlungspause, im zweiten Jahr wird noch einmal 14 Tage therapiert, und schließlich folgt eine zweijährige Nachbeobachtungs-Periode. Während das ein interessantes und vielversprechendes Konzept ist, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden, bei wie vielen Patienten und für wie lange Zeit eine solche Behandlung die Krankheitsaktivität zum Stillstand bringen kann und wie vorzugehen ist, wenn es zu einem Rückfall kommt. Es werden auch noch Langzeiterfahrungen nötig sein, um das Sicherheitsprofil des Medikaments einschätzen zu können.

Die zweite neue MS-Therapie ist der monoklonale Antikörper Ocrelizumab, seit Jahresbeginn in der EU zugelassen zur Behandlung von aktiver schubförmiger MS, aber auch für Patienten mit früher primär chronisch progredienter MS. „Hier gab es bisher keine Therapie“, sagt Prof. Fazekas. Ocrelizumab wirkt gezielt auf die B-Zellen des Immunsystems, die an der MS beteiligt sind.

Nach einer Erstanwendung erfolgt die weitere Behandlung mit Ocrelizumab per Infusion alle sechs Monate. Auch bei dieser neuen Therapie sind Daten zur Langzeit-Sicherheit noch ausständig.

„Die Möglichkeit, zwischen vielen verschiedenen Medikamenten wählen zu können, ermöglicht es Neurologen, die MS-Behandlung an die individuellen Bedürfnisse ihrer Patienten und an den Krankheitsverlauf anzupassen“, so Prof. Fazekas. „Die Diagnose MS bedeutet, dass Patienten damit bis zu 60 oder 70 Jahre leben müssen, und wir müssen sie bei der Krankheitskontrolle bestmöglich unterstützten, unter Abwägung von Nutzen und Risiko.“

Neue Behandlungsleitlinie unterstützt Ärzte bei der Therapieauswahl

Auf Initiative von EAN und ECTRIMS erarbeiteten Neurologen aus 13 Ländern 21 Empfehlungen für die MS-Behandlung. Die neue europäische Behandlungsleitlinie basiert auf der Auswertung klinischer Studien und unterstützt Ärzte dabei, bei ihren Therapieentscheidungen Chancen und Risiken der zur Verfügung stehender Behandlungsoptionen abzuwägen. „Diese neue Guideline ist Teil des Guideline Programms der EAN, im Rahmen dessen alle wichtigen neurologischen Erkrankungen aufgearbeitet werden sollen. Derzeit sind rund 20 Guidelines in Arbeit“, so Prof. Deuschl. „Das unterstreicht die große Bedeutung der EAN, die solche übergreifenden Themen bearbeitet und damit nicht nur den Behandlern, sondern auch der Gesundheitspolitik wichtige Grundlagen liefert.“

Siponimod (Handelsname Mayzent) ist seit Januar 2020 für die Behandlung von Erwachsenen mit einer sekundär fortschreitenden multiplen Sklerose mit Krankheitsaktivität zugelassen.

Die (MS) ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark schädigt. Dies kann zu Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern führen.

Eine MS kann in verschiedenen Formen auftreten:

  • Primär fortschreitend (Primary Progressive MS, PPMS): Bei dieser seltenen Form der MS werden die Beschwerden ständig stärker, in der Regel ohne abgrenzbare Schübe. Bei dieser Form gehen die Symptome nicht zurück.
  • Schubförmig-remittierend (Relapsing-Remitting MS, RRMS): Diese Form verläuft schubweise mit akuten Krankheitsphasen und beschwerdefreien Intervallen. Remittierend bedeutet, dass sich die Beschwerden nach einem Schub vollständig oder zumindest teilweise wieder zurückbilden. Wenn viele Schübe in kurzer Zeit auftreten, sprechen Fachleute von einem hochaktiven Verlauf. Eine schubförmige MS kann in eine Phase übergehen, in der die Symptome allmählich auch unabhängig von Schüben zunehmen, sich dann aber nicht mehr zurückbilden. Diese wird dann sekundär fortschreitende MS (Secondary Progressive MS, SPMS) genannt.

Siponimod beeinflusst das, um die Schädigung der Nerven zu verlangsamen.