Gedichte nicht nur für Senioren

Es saß ein Fuchs

Von Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Es saß ein Fuchs im Walde tief.

Da schrieb ihm ein Bauer einen Brief;

So und so, und er sollte nur kommen,

`s wär` alles verzieh´n,

was übelgenommen.

Der Han, die Hühner und Gänse ließen ihn zusammen auch vielmals grüßen.

Und wann ihn denn erwarten sollte Sein guter, treuer Krischan Bolte.

Darauf schreib der Fuchs mit Gänseblut:

Kann nicht gut. Meine Alte gekommen nieder!

Im übrigen von ganzer Seele:

Dein Fuchs, in der Höhle


Über das Älterwerden

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär'.Doch schon mit 18 denkt er: "Halt!
Wer über 20 ist, ist alt."
Warum? Die 20 sind vergnüglich -
auch sind die 30 noch vorzüglich.Zwar in den 40 - welche Wende -
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh'!Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
"Ich schaff' die 80, so Gott will."Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.Doch hat die Mitte 90 man erreicht
- die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: "Na - vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!"